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Schwimmen - mein Sport – ein Sport ohne Jubeln!



Der Aktive

Endlich Wochenende, Wettkampf in Wupperhausen, Wow! 5.45 Uhr aufstehen, wir fahren eine Stunde zum Wettkampf. Der Veranstalter hat wegen der vielen Meldungen den Beginn auf 8.30 Uhr vorverlegt. 7.30 Uhr Einschwimmen zusammen mit mindestens 200 anderen Schwimmern. Puh, das ist mal wieder Chaos pur, und die Großen sind mal wieder ziemlich rücksichtslos… na ja jeder will halt sein Einschwimmprogramm durchziehen. Auf Bahn 3 geht gar nichts, da stehen 7 Große im Nichtschwimmer und quatschen, da kann man gar nicht wenden. Auf Bahn 2 und 4 schwimmen so viele Kleine und das zu dritt nebeneinander, da geht auch nichts. Bahn eins und sechs sind für Sprints, da stehen 40 Kinder an. Ich gehe zum Trainer und beklage mich über die Bedingungen. Trainer sagt, ich verstehe dich ja, aber alle haben die gleichen schlechten Bedingungen…Na ja, die 50 Schwimmer von Wupperhausen hätten sich ja schon vorher einschwimmen können, oder?

Erster Wettkampf, 50 Frei. Die Zeit war bescheiden, kein Wunder, konnte ja vorher auch nicht vernünftig Sprints schwimmen. Mal sehen welcher Platz für mich rausspringt. Eine Stunde später, das Protokoll ist raus, bin Vierter geworden, nur 4 Hundertstel hinter dem Dritten, Lars. Den hätte ich gekriegt, aber der war ja zwei Läufe nach mir dran. Schade in meinem Lauf waren ja auch nur Ältere und Größere, angefeuert hat mich auch keiner, aber das war ja bei den anderen auch nicht anders. Komisch, gejubelt hat auch keiner, wirklich gar keiner…!

Zweites Rennen, jetzt war ich wach, super Zeit, Trainer ist zufrieden! War ja auch ein spannendes Rennen zwischen mir und Timo. Jetzt habe ich Lars schlagen können, na ja nicht wirklich, der war ja einen Lauf nach mir dran, nur mit Größeren, und angefeuert hat ihn auch keiner, aber mich ja auch nicht, das ist ja normal! Ach ja, auch jetzt hat keiner gejubelt, wirklich keiner…? Eine Stunde später, das Protokoll ist raus. Oh, doch nur wieder Vierter, da waren noch zwei die deutlich langsamer gemeldet aber schneller als Timo und ich waren, die habe ich gar nicht gesehen…

Gleich mein letzter Start im 1. Abschnitt, wäre jetzt gerne mit Timo, Lars und den anderen beiden zusammen in einem Lauf, wir verteilen uns dieses Mal aber auf vier Läufe, aber gleiche Bedingungen für alle, nur ich habe die Außenbahn, vielleicht ein Nachteil? Mal schauen ob mich einer anfeuert, der Trainer hat die anderen vom Team zum Beckenrand geholt…

Jetzt hat es geklappt! Super Zeit, Bestzeit, aber was machen Timo und Konsorten? Ich kann noch nicht Jubeln…Drei Läufe später, ich bin Erster! Ich hätte gerne gejubelt, aber sieht doof aus so am Beckenrand, also lass‘ ich es lieber!

Mittagspause! Siegerehrungen- komisch, keiner Jubelt, die da Stehen sehen eher so aus, als würde man ihnen etwas wegnehmen…, dann bekomme ich meine Medaille. Trainer hat mir beigebracht wie man sich bei der Siegerehrung verhält. Erst den anderen gratulieren, dann oben auf das Podest, komisch, das macht kaum einer von den anderen, ich freue mich! Noch ein Foto, nehme Lars und Timo mit auf das oberste Podest…jubelt jemand? Nein lieber nicht, sieht bestimmt komisch aus!

Erster Wettkampf nach der Pause ein Finale, leider nur für die Großen. Aber alle stehen am Beckenrand und feuern an! Wow, bei denen geht aber die Post ab, und alle feuern an, was für ein Krach, und tolle Stimmung…! Anschlag, super knappes Rennen- und einer jubelt, ja sogar zwei! Und die von einem Verein jubeln auch! Endlich mal! Direkt Siegerehrung, und der Große, der hat bestimmt schon über 500 Medaillen, der lächelt und freut sich über seine vielleicht 576. Medaille. War ja auch ein spannendes Rennen, so Mann gegen Mann, gegen seine direkten Konkurrenten…

Fast fünf Stunden später, die letzten Rennen des Tages. Habe sechs Starts gehabt, die Zeiten waren nachher nicht mehr ganz so gut, war aber auch müde. Wann bin ich nochmal aufgestanden? Sechs Uhr, nein vorher, bin jetzt fast elf Stunden hier, hoffentlich hat der Trainer ein bisschen Verständnis! Morgen geht es wieder ran, da gebe ich aber wieder Gas…, ich würde ja so gerne mal jubeln, aber das tut hier ja keiner…!

 

Der Trainer

Wettkampf in Wupperhausen, hoffentlich wissen die Kinder das zu schätzen, dass wir kleiner Verein hier dabei sind, und auch hier und da mal Chancen auf gute Platzierungen haben! Einschwimmen ist ja wieder mal eine Katastrophe! Die Heimmannschaft hätte sich auch ruhig eine Stunde früher aus dem Bett schälen und früher Einschwimmen können. Das wäre ja dann fast so wie gleiche Bedingungen für alle…

Zwei von meinen Kleinen, ihr dritter Wettkampf, kommen weinend zu mir, ein Großer hat sie an der Wende getroffen, rücksichtslos, ich tröste sie mit einem blöden Spruch, der hier nicht passt, aber an dem so viel Wahres ist; „Schwimmer müssen und können Schmerzen ertragen“, aber nicht solche denke ich mir! Aber so ist es halt, nur, muss das so sein?

Ich habe fast 30 Kinder dabei. Jedes zweite oder dritte Rennen habe ich jemanden am Start. Stress pur. Vorbereitung aufs Rennen, Analyse, Trost, Lob, Aufmunterung, Kontrolle von anderen, gleichaltrigen Schwimmern die auf zig Läufe verteilt sind… Ich will doch Leo sagen Wievielter er geworden ist. Doof nur, dass sie nicht zusammen in einem Lauf sind. Wären die zusammen in einem Rennen, wäre es für die Kids spannender, schöner im Kampf Kind gegen Kind, und da würde am Ende bestimmt auch mal einer Jubeln…und für die Trainer wäre es viel leichter, spannender, schöner den Kampfgeist der Kinder zu sehen im Kampf Kind gegen gleichaltriges Kind, und zu sehen wie das eigene Kind vielleicht mal Jubelt…! Mist, habe die beiden Kinder in dem Lauf 3 nicht beachtet, die waren ja mit einer viel zu langsamen Zeit gemeldet! Waren aber schnell und gut, beide gleich alt, die haben gegeneinander gekämpft, das waren nicht ganz gleiche Bedingungen für alle!!!

Zwischendurch muss ich einer Mutter, deren Kind in seinem Lauf zwar den ersten Platz belegt und gejubelt hat, aber nur auf Platz 17 im Protokoll steht, erklären, dass das beim Schwimmen nichts bedeutet mit der Platzierung im Rennen. Die anderen Kinder in dem Lauf waren jünger oder älter und die werden natürlich nicht zusammen gewertet, aber die Bedingungen sind für alle gleich. Die besten Kinder in dem Jahrgang ihres Kindes kamen erst sechs Läufe später…, aber die haben weder die Mutter noch ihr Kind gesehen…schade, wäre für beide eine gute Orientierung gewesen…! Aber die Tränen und die Enttäuschung des Kindes fand ich wirklich nicht gut…

Mittagspause, kann mich zum ersten Mal setzen. Aber hier geht das wenigstens, in meinem bequemen Campingstuhl. Letzte Woche waren wir in Bochum, da waren Campingstühle verboten, alle saßen auf dem Boden oder auf den Fliesen. Ich bin stehen geblieben! Sieben Stunden. Wo das noch hinführen wird, mit den viel zu vollen Hallen mit viel zu vielen Teilnehmern? Aber ich kann die Verantwortlichen verstehen, das ist wohl der Anfang vom Ende für viele Wettkämpfe! Man muss die Verantwortlichen aber auch nicht bis zur Grenze treiben…

Die Kleinen halten sich tapfer! Die sind schon vier Stunden hier und haben zwei Einsätze gehabt. In Läufen mit Älteren und Jüngeren, wussten überhaupt nicht wo sie gelandet sind. Extrem unübersichtlich für die Kinder und die Eltern…, und selbst für interessierte Teammitglieder.

 

Zweiter Abschnitt, Finale! Habe alle Kinder zum Beckenrand zitiert. Es wird laut in der Halle, Musik, Spannung, tolle Stimmung. Ein super Rennen, man konnte sehen wie sich die vier ersten quasi aneinander gerieben haben… Und – zwei Schwimmer Jubeln sogar und vom Publikum sogar ein zaghafter Applaus für diesen spannenden Kampf- das war fast so was wie Unterhaltung, für Zuschauer und die Aktiven…

Ich sage meinen Kindern, was für ein Kampf, das sind Schwimmer, und ich denke mir, es könnten noch viel mehr sein, wenn man sie denn ließe!

Fast fünf Stunden später, mein Team hängt in seinen Stühlen. Ich denke mir, was verlangen wir da eigentlich von den Kindern? Hartes, stundenlanges Training über Wochen und Monate hinweg, dann sollen sie sich dafür die Belohnung bei Wettkämpfen abholen, die einfach nur langweilig, emotionslos und ermüdend sind, daran ändert hier auch die tolle Tombola nichts. Dazu noch begleitet von durchweg unangenehmen Dingen. Früher Aufstehen als in der Woche, ätzende Bedingungen in viel zu vollen, zu warmen Hallen, bei null Stimmung, außer vielleicht den Finals, aber da sind ja nur 6 Schwimmer dabei, keine Spannung, außer vielleicht dem Warten auf das Protokoll…Aber so ist es halt!

Die Leistung kann ja dann auch nicht stimmen. Fast zehn Stunden im Hallenbad für insgesamt knapp fünf Minuten schwimmen. Das geht doch eigentlich überhaupt nicht. Was ist das für ein Sport, und dann noch ganz ohne Jubeln! Ich mag den Fußball wirklich nicht, aber da wird wenigstens Gejubelt, selbst wenn einer den Ball ins Tor stolpert, oder etwa ein Eigentor fällt! DAS ist bestimmt der Grund für seine Popularität und dem Zulauf der noch wenigen, sportlichen Kinder die wir noch haben, die Menschen können so wenig Jubeln in ihrem Leben, aber da geht das jede Woche!?

Wenn ich doch nur eins von diesen echt sportlichen, talentierten Kindern bekommen hätte, die ich vor drei Wochen bei einem Schulwettkampf gesehen habe. Aber eine Mutter sagte mir: WIR sind beim Fußball, da sind wir am Wochenende nach spätestens drei Stunden wieder zuhause! Das ist, wie ich hörte, beim Schwimmen ja wohl ganz anders…

Nicht ganz gleiche Bedingungen für alle – nur, da kann man sogar richtig Jubeln…!

Ach, ich habe was vergessen! Da war noch eine Staffel. Da ist auch immer Stimmung, normalerweise. Wir haben nicht gemeldet, waren auch nur drei Mannschaften am Start. Die Staffel war ausgeschrieben Jahrgang 2000 und jünger, ich habe nur noch zwei ältere Schwimmer, wenn die zusammen mit den viel jüngeren gegen die anderen antreten müssten, sorgt das wahrlich nicht für gute Stimmung, bei keinem…!

Trotz Allem, ich liebe diesen Sport, und die Kinder tun das wohl auch!

 

Was brauchen wir um wieder Jubeln zu können?

1. Übersichtliche Wettkampfabläufe

- Jahrgangsweise Einteilung der Läufe gewährleistet schnellste Analyse und ein direktes Ergebnis, höhere Anerkennung der Leistung der Kinder, Identifikation des gesamten Teams wird größer

2. Mehr Staffeln, mehr Mannschaftswertungen

- Vernünftige, altersgerechte Ausschreibungen der Staffeln fördern Zusammengehörigkeit und Leistung (DMSJ), z.B. 4x25 m, zwei Schwimmer vom Jahrgang 2000 o. äl. und zwei von 2012

- Einfache Mannschaftswertungen, beginnend mit zwei oder drei Jahrgängen innerhalb einer Mannschaftswertung bis zu kompletter Mannschaft (unbedingt jahrgangsweise Einteilung der Läufe!), jeder Lauf und jedes Teammitglied wird wichtig

3. Einen guten Hallensprecher

- Ein Sprecher kann das Publikum und die Aktiven in hohem Maße beeinflussen und Emotionen schüren, aber auch nerven oder einschläfern, außerdem muss er informieren (z.B. Platzierung Bestenliste)

- Sprecherausbildung

4. …

 

Was brauchen wir, um als Wettkampfsport attraktiver zu werden?

1. Kürzere Wettkämpfe

2. Spätere Anfangszeiten

3. Geringere Teilnehmerzahlen

4. Wettkampfserien (so bekommen auch kleinere Vereine ihre Wettkämpfe wieder attraktiv)

5. Wir müssen die Kinder zu Werbeträgern (Multiplikatoren) machen, die müssen montags in die Schule kommen und begeistert von einem tollen Wettkampf am Wochenende erzählen

6. …

Jörg Löcker
SC Delphin Geldern

 

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